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Europalette

Eine Europalette (fachsprachlich Europoolpalette) ist eine nach DIN EN 13698-1 genormte Holz-Mehrwegpalette. Jede Europalette trägt ein Buchstaben-Zeichen in ovaler Einfassung auf allen vier Eckklötzen der Längsseite (EPAL oder EUR). EPAL Europaletten müssen der Norm des Technischen Regelwerks der EPAL (European Pallet Association e.V.) entsprechen, um die Funktionalität des Tauschsystems aufrechtzuerhalten.

Europalette

Europalette © European Pallet Association e.V.

Eigenschaften

  • Maße: 800 x 1.200 x 144 mm (LxBxH)
  • Bestandteile: 11 Brettern, 9 Klötzen und 78 Spezialnägel
  • Eigengewicht: 20 bis 24 kg (je nach Feuchtegehalt des Holzes)
  • Material: u.a. Fichte, Kiefer, Birke (16 Holzarten in Deutschland)
  • Tragkraft: 1.000kg bei punktueller Belastung, bis 2.000kg bei vollflächiger Belastung

Geschichte der Europalette

Güterabfertigung in Frankfurt Oder © Bildarchiv von D. Malzahn

Als Geburtsjahr der Europalette kann das Jahr 1961 angesehen werden. Europäische Eisenbahngesellschaften einigen sich auf einen einheitlichen Transportpalettenstandard. Die Vertreter der "Vereinigung der Internationalen Eisenbahnen" (UIC) unterzeichneten hierfür einen Vertrag über eine austauschbare Palette – die Europalette. Darin festgehalten waren unter anderem Vorgaben für Normen, Herstellung und Reparatur. Seit 60 Jahren sorgt die Erfindung der Europoolpalette, wie sie auch genannt wird, dafür, dass Güter und Waren sicher an ihr Ziel gelangen - ob Baumaterialien auf die Baustelle oder Lebensmittel in Supermärkte. Dank ihrer Beschaffenheit und Eigenschaften ist die Europalette nicht nur für das Transportwesen, sondern auch für das Lagern von Waren bestens geeignet.

Die Mehrfachverwendung und das einfache Austauschen der Paletten im Handel sind nicht nur aus ökonomischer Sicht ein absoluter Pluspunkt, sondern auch aus ökologischer. Kein Wunder, dass heutzutage mehr als 600 Millionen Paletten weltweit im Umlauf sind. Die Geschichte der Europalette began jedoch früher:

1. Jahrtausend v. Chr. - Kufenpaletten in Ägypten & Mesopotamien

Im alten Ägypten kamen bereits die ersten Vorläufer der heutigen Europalette zum Einsatz. Die damals schon aus Holz gefertigten Schlitten oder auch Kufenpaletten wurden für den Transport von Baumaterialien benutzt - tonnenschwere Steinblöcke verfrachteten sie vom Abtragungsort zur Baustelle.

1917 - Die Erfindung des Gabelstaplers in den USA

Einen großer Sprung in der Geschichte macht die Erfindung des Gabelstaplers im Jahr 1920, durch den amerikanischen Hersteller Clark Equipment Company. Dem folgte zwangsläufig die Auseinandersetzung mit platzsparenden und systematischen Ladeeinheiten - auch mit der Palette. Diese bestanden damals noch aus verbundenen, stählernen Gleitkufen.

1939 & 1949 - Erste Paletten-Patente in den USA

1939 erfolgte die erste Anmeldung eines Patents für eine Holzpalette in den USA. Zudem wurden die damals noch stählernen Paletten bevorzugt als Transportmittel in der amerikanischen Kriegswirtschaft für Munition und anderes Geschützzubehör in den 40er Jahren verwendet. Im Jahr 1949 wird das Prinzip der modernen 4-Wege-Palette patentiert, zuvor waren nur 2-Wege-Paletten bekannt.

1950er - Chaos im europäischen Warenverkehr

Innerhalb Europas bestehen unterschiedliche Palettenabmessungen für den internationalen Eisenbahnverkehr. Das Problem der Zweckmäßigkeit in der gemeinsamen Nutzung von Paletten wurde 1952 erkannt und den den folgenden Jahren ein Abkommen ausgearbeitet.

Geschichte der Europalette

Güterabfertigung in Frankfurt Oder © Bildarchiv von D. Malzahn

1.7.1961 - Die Geburtsstunde der Palette

Europäische Eisenbahnbetreiber standen im Wettbewerb mit dem Gütertransport auf der Straße und benötigten universelle Ladungsträger, die den Warenhandel vereinfachten und beschleunigten - tauschbare Europaletten sollten Abhilfe schaffen. Am 1.7.1961 wurde die Europalette schließlich genormt: 800 x 1.200 x 144 mm. Im Laufe der Zeit kamen andere genormte Paletten hinzu, die auf verschiedene Transportbedürfnisse abgestimmt waren. Unabhängig welches Modell der Palette benutzt wurde: Die Beladung von Gefährten, ob Zug oder Lastwagen, ging deutlich einfacher und schneller.

Nach der Einführung im Jahr 1961 kam es in den darauffolgenden Jahrzehnten zu weiteren Entwicklungen bei der Europalette sowie auf dem Palettenmarkt.

1966 - Gebrauchsmusterschrift der Europalette

Der konstruktive Aufbau von hölzernen Europaletten wird in der Gebrauchsmusterschrift von Julius Hofer (Erbach) vom Deutschen Patentamt unter der Nummer DE1935973 U1 (Anlage 1) am 31.03.1966 veröffentlicht.

1975 - Rechteübertragung Bundesbahn an GPAL

Die Deutsche Bundesbahn überträgt 1975 ihre Markenrechte der Zeichen EPAL, ovales O und RAL-RG 993 (jetzt RAL-GZ 993) an die "Gütegemeinschaft Paletten", dem Vorgänger des heutigen Europäischen Dachverband des EPAL.

1980er - Siegeszug der Europalette

Der Haupteinsatzort der Palette verschiebt sich vom Zug- und Schiffsverkehr auf den Straßenverkehr. Sie wird zur populärsten Palette der Welt. Aufgrund ihrer Praktikabilität, ihrer genormten Größen und ihrer Beschaffenheit erfreut sie sich größter Beliebtheit.

1991 - Gründung von EPAL

Die European Pallet Association (EPAL) wird 1991 gegründet. Ihr Zweck: die Organisation und Kontrolle des EPAL-Europalettenpools. Ihr Fokus liegt auf dem Ausbau und der Sicherung des Poolingsystems für Ladungsträger. Sie vergibt Lizenzen an Produzente und Reparateure und sichert damit weltweit eine gleichbleibend hohe Qualität von EPAL-Paletten.

2004 - Europalette erhält DIN EN 13698-1

Festgelegt werden in DIN EN 13698 Anforderungen und Spezifikationsanweisungen für die Nennlast und Tragfähigkeit, die Bauweise und die Prüfung der Paletten und deren Kennzeichnung. 2004 wird die Normung der Europaletten mit DIN EN 13698-1 aktualisiert, die von Marken wie EPAL & EUR genutzt wird. Dadurch sind die Paletten nicht nur in der Flurförderung einsetzbar, sondern auch in den modernen Hochregallagersystemen.

2016 - Produktion von mehr als 100 Mio. Europaletten

2016 wird die Marke von 100 Millionen erstmals geknackt und es werden jährlich 100 Millionen Holzpaletten produziert und repariert. Geschätzt wird, dass aktuell über eine halbe Milliarde davon im Umlauf sind.

2017 - Trennung EPAL und UIC

Nachdem im Oktober 2014 die Tauschvereinbarung des einheitlichen europäischen Palettenpools zwischen EPAL und UIC unterzeichnet wurde, löst sich diese im Jahr 2017. Damit wird der Tausch von UIC/EUR- gegen EPAL-Paletten eingestellt. Die Befristung läuft bis 31.12.2021.

Seit 2020 - Interaktive Paletten

Das IML (Fraunhofer-Instituts Materialfluss und Logistik) und die EPAL entwickeln gemeinsam mit "IPAL" ein intelligentes Palettennetzwerk. QR-Code und GPS-Tracker erweitern die Europaletten von einem reinen Ladungs- zum Informationsträger.

2020 - Preise für Europaletten explodieren

Aufgrund der Covid-19-Pandemie und der erhöhten Nachfrage nach Schnittholz - besonders wegen des Bau-Booms in China und Nordamerika - steigen die Palettenpreise seit vergangenem Jahr drastisch an. Die Preisexplosion ist mit der Knappheit am Rohstoff begründet, weshalb derzeit viele Unternehmen in die Bevorratung gehen. Die weitere Entwicklung ist abzuwarten, eine Entspannung wird sich vermutlich erst zum Ende des Jahres zeigen.

60 Jahre sind seither vergangen, in denen die Palette erfunden, standardisiert und massenhaft produziert, verkauft und transportiert wurde. Unterschiedlichste Varianten sind entstanden, Prozesse wurden beschleunigt und ein Ende ist nicht in Sicht. Das Geschäft um die heiß begehrten Paletten boomt und wird es auch weiterhin, trotz manchen Herausforderungen.

Verwendung

Einsatzgebiete

Flurförderzeuge wurden optimal an die Maße der genormten Holzpalette angepasst, so dass ein problemloses Unterfahren mit einem Palettenhubwagen oder Gabelstapler möglich ist. Als Vierwegepalette kann die Europalette von allen Seiten aufgenommen werden. Aufgrund dieser Vielseitigkeit kommen Europaletten branchenübergreifend zum Einsatz – hauptsächlich im B2B-Bereich (Gewerbe, Industrie und Handel) für den Versand von Waren aller Art eingesetzt. Dabei wurden nicht nur die Abmessungen von Hubwagen & Co. an die Palette angepasst, sondern auch Palettenregale, die für die palletierte Warenlagerung genutzt werden, genau wie Frachtcontainer und Ladeflächen von LKW für die Verfrachtung.

Beladung

Gesetzliche Vorschriften für die Beladung einer Europalette gibt es nicht. Zu beachten ist dennoch:

  • die maximale Tragkraft der Palette, des Bodens und der Transportgeräte
  • die Sicherung der Waren durch Umhüllungen (z.B. Folien)
  • die Erhaltung der Stabilität (ggf. Lücken mit geeignetem Material auffüllen)

Das Transportunternehmen legt die maximale Beladehöhe fest. Diese liegt je nach Anbieter zwischen 1,50 m und 2,20 m inklusive der Höhe der Europalette.

Abgrenzung zu anderen Palettentypen

Neben der EPAL 1-Palette (umgangssprachlich Europalette) sind im Transportwesen unter anderem die folgenden verschiedenen Palettenarten gängig:

Palettenart Beschreibung Maße
EPAL 2
  • Industriepalette 2
  • mit Bodenrahmen zum Transport auf Rollenbahnen und Ketten
1.200 x 1.000 x 162 mm (LxBxH)
EPAL 3
  • Industriepalette 3
  • entspricht dem Asien-Standard
1.000 x 1.200 x 144 mm (LxBxH)
EPAL 6
  • Halbpalette, Displaypalette
  • für die Platzierung in der Verkaufsfläche
800 x 600 x 144 mm (LxBxH)
EPAL 7
  • Halbpalette
  • beliebt in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, bei Discountern und im Einzelhandel
800 x 600 x 163 mm (LxBxH)
EPAL Gitterbox
  • Gitterbox mit zwei Klappenöffnungen
  • unentbehrlich in der Automobilindustrie
1.200 x 800 x 970 mm (LxBxH)
EPAL CP-Paletten
  • Chemiepaletten nach EPAL-Standard
  • aus Holz gefertigt
Neun verschiedene Abmessungen (CP1 bis CP9)
Einwegpaletten
  • zum einmaligen Warentransport mit anschließender Entsorgung des Transportträgers
  • aus Holz, Wellpappe oder Kunststoff
häufig entsprechend Europalette EPAL 1
Kunststoffpaletten
  • Einweg- und Mehrwegsysteme verfügbar
  • für besonders sensible Bereiche wie die Lebensmittel- oder Arzneimittelproduktion
verschiedene Größen, Standard EURO-H1 ist weit verbreitet
INKA-/Pressholz-Paletten
  • Recycling-Palette aus Pressholz
  • reduzierte Verschmutzungen durch geschlossenen Boden
  • im Vergleich zu Holzpaletten preisgünstiger
  • luftfrachttauglich
typisch: ¼, ½ oder EPAL1-Europalette
Wellpapp-Paletten
  • Leichtpalette für den Einmalversand
  • 100 % recycelbar
typisch: ¼, ½ oder EPAL1-Palette

Kennzeichen

Jede Europalette im Europäischer Palettenpool (EPP) trägt mehrere Kennzeichnungen, die vorhanden sein müssen. Die Markierung erfolgt per Brandstempelung auf die Holzklötze. Alle vier Eckklötze zeigen ein oval umrandetes EPAL-Zeichen. Bis ins Jahr 2013 waren der Einbrand von EPAL und einem EUR-Zeichen, jeweils in der ovalen Umrandung, zu finden.

  • Umrandetes Logo der Mitgliedsbahn (z.B. DB für Deutsche Bahn)
  • IPPC-/ISPM 15-Einbrand gemäß den nationalen Pflanzenschutzbestimmungen bestehend aus IPPC-Logo in der linken Spalte und Land/Region/Bezirk, IPPC-Zulassungsnummer des Produzenten und Buchstaben "HT" (Heat Treatment) in der rechten Spalte des Einbrands
  • EPAL-Prüfklammer
  • Ziffernfolge für Lizenznummer - Jahr - Monat
  • Gleichbleibendes Nagelbild
  • Ggf. Reparaturnagel (bei bereits reparierter Europalette)

Europalettentausch

Durch die einheitlichen Maße und die Verarbeitungsstandards sind Europaletten einfach austauschbar. Gemäß EPAL ist eine Europalette tauschfähig, wenn sie alle erforderlichen Kennzeichen trägt, aus einem lizenzierten Herstellungsbetrieb stammt und in gutem Zustand ist.

Nicht tauschfähige Europalette

Nicht tauschfähig sind EPAL-Paletten, an denen folgende Mängel vorliegen:

  • fehlendes Brett
  • Beschädigungen mit sichtbaren Nagelschäften
  • stark abgesplitterte Randbretter
  • fehlender Klotz
  • beschädigter Klotz mit sichtbaren Nagelschäften (durch Absplitterungen oder stark verdrehte Klötze)
  • morscher oder verschmutzter Allgemeinzustand
  • schräge oder gebrochene Bretter
  • unzulässige Bauteile oder Bretter
  • Klötze mit falschen Abmessungen
  • nicht zugelassenes Material
  • fehlende Kennzeichnungen (EPAL im Oval, Prüfklammer)

Eine Europalette darf nur in einem zertifizierten Betrieb entsprechend der EPAL-Regeln repariert werden.

Tauschvereinbarung

Auf den Palettentausch besteht kein Rechtsanspruch. Ohne einen entsprechenden Vertrag gelten auch mehrfach verwendbare Paletten als Teil der Verpackung und gehen in den Besitz des Empfängers über. Sie werden innerhalb eines definierten Pools gegen Paletten aus dem gleichen Pool getauscht. Es gibt den offenen Paletten-Tauschpool und den geschlossenen Tauschpool. Im offenen Pool gehören die Paletten den Nutzern, es geht um die freie Verfügbarkeit des Ladungsmittels. Die EPAL als Verband garantiert die Qualität und den Standard der Paletten im offenen Pool. Die Paletten in den geschlossenen Pools gehören einem Poolingunternehmen wie z. B. CHEP oder LPR. Beide Systeme sind nicht miteinander zu vergleichen.

Tauschklausel

Dabei kommen bevorzugt zwei Klauseln zum Einsatz:

  • Kölner Modell: Tausch Zug um Zug direkt an der Entladestelle, beliebt im Direktverkehr
  • Bonner Modell: Verlader stellt Europaletten zur Verfügung, beliebt im Sammelgutverkehr

Palettenentsorgung

Eine nicht mehr tauschfähige Europalette lässt sich an Palettenaufkäufer abgeben oder als Kaminholz nutzen.