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Europalette

Eine Europalette (fachsprachlich Europoolpalette) ist eine nach DIN EN 13698-1 genormte Holz-Mehrwegpalette. Jede Europalette trägt das EPAL-Zeichen in ovaler Einfassung auf allen vier Eckklötzen der Längsseite. Die EPAL (European Pallet Association e. V.) legt fest, dass die EPAL1-Paletten der Norm des UIC (Internationaler Eisenbahnverband) entsprechen müssen, um die Funktionalität des Tauschsystems aufrechtzuerhalten.

Europalette

Europalette © European Pallet Association e.V.

Eigenschaften

Maße

Europaletten des Typs EPAL1 haben die Maße 1.200 x 800 x 144 mm (LxBxH).

Gewicht

Das Eigengewicht beträgt 20 bis 24 kg (je nach Feuchtegehalt des Holzes).

Tragkraft

Eine unbeschädigte Europalette hält einer punktuellen Belastung von 1.000 kg stand. Das Gesamtgewicht der auf der Palette zu transportierenden Waren darf 1.500 kg nicht überschreiten.

Bestandteile

EPAL1-Paletten bestehen aus 11 Brettern, 9 Klötzen und 78 Spezialnägeln. Erlaubt sind 16 verschiedene Holzarten; die Blöcke bestehen aus Pressspan oder Vollholz.

Benutzung

Einsatzgebiete

Als Vierwegepalette kann die Europalette von allen Seiten mit einem Palettenhubwagen oder Gabelstapler unterfahren und aufgenommen werden. Aufgrund dieser Vielseitigkeit kommen Europaletten branchenübergreifend zum Einsatz – hauptsächlich im B2B-Bereich (Gewerbe/Industrie) für den Versand von Waren aller Art eingesetzt.

Beladung

Gesetzliche Vorschriften für die Beladung einer Europalette gibt es nicht. Zu beachten ist insbesondere:

  • die maximale Tragkraft der Palette, des Bodens und der Transportgeräte
  • die Sicherung der Waren durch Umhüllungen (z. B. Folien)
  • die Erhaltung der Stabilität (ggf. Lücken mit geeignetem Material auffüllen)

Das Transportunternehmen legt die maximale Beladehöhe fest. Diese liegt je nach Anbieter zwischen 1,50 m und 2,20 m inklusive der Höhe der Europalette.

Abgrenzung zu anderen Palettentypen

Neben der EPAL1-Palette (umgangssprachlich Europalette) sind im Transportwesen unter anderem die folgenden Arten gängig:

Palettenart Beschreibung Maße
EPAL2
  • Industriepalette 2
  • mit Bodenrahmen zum Transport auf Rollenbahnen und Ketten
1.000 x 1.200 x 162 mm (LxBxH)
EPAL3
  • Industriepalette 3
  • entspricht Asien-Standard
1.000 x 1.200 x 144 mm (LxBxH)
EPAL6
  • Halbpalette, Displaypalette
  • für die Platzierung in der Verkaufsfläche
800 x 600 x 144 mm (LxBxH)
EPAL7
  • Halbpalette
  • beliebt in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, bei Discountern, im Einzelhandel
800 x 600 x 163 mm (LxBxH)
EPAL Gitterbox
  • Gitterbox mit zwei Klappenöffnungen
  • unentbehrlich in der Automobilindustrie
1.200 x 800 x 970 mm (LxBxH)
EPAL CP-Paletten
  • Chemiepaletten nach EPAL-Standard
  • aus Holz
Neun verschiedene Abmessungen (CP1 bis CP9)
Einwegpaletten
  • zum einmaligen Warentransport mit anschließender Entsorgung des Transportträgers
  • aus Holz, Wellpappe oder Kunststoff
häufig entsprechend Europalette EPAL1
Kunststoffpaletten
  • Einweg- und Mehrwegsysteme verfügbar
  • für besonders sensible Bereiche wie die Lebensmittel- oder Arzneimittelproduktion
verschiedene Größen, Standard EURO-H1 ist weit verbreitet
INKA-/Pressholz-Paletten
  • Recycling-Palette aus Pressholz
  • reduzierte Verschmutzungen durch geschlossenen Boden
  • im Vergleich zu Holzpaletten preisgünstiger
  • luftfrachttauglich
typisch: ¼, ½ oder 1 EPAL1-Europalette
Wellpapp-Paletten
  • Leichtpalette für den Einmalversand
  • 100 % recycelbar
typisch: ¼, ½ oder 1 EPAL1-Europalette

Geschichte der Europalette

Elektro-hochhubwagen mit initialhub

Güterabfertigung in Frankfurt Oder © Bildarchiv von D. Malzahn

Als Geburtsjahr der Europalette kann das Jahr 1961 angesehen werden. Europäische Eisenbahngesellschaften einigen sich auf einen einheitlichen Transportpalettenstandard. Die Vertreter der "Vereinigung der Internationalen Eisenbahnen" (Union Internationale des chemins de fer (UIC)) unterzeichneten hierfür einen Vertrag über eine austauschbare Palette – die Europalette. Darin festgehalten waren unter anderem Vorgaben für Normen, Herstellung und Reparatur. Die ebenfalls vertraglich festgehaltene Eurogitterbox folgte Ende 1968. Seit Mitte der 1970er-Jahre sind die Europalette und die Eurogitterbox markenrechtlich Eigentum der European Pallet Association e.V. (EPAL). Die Geschichte der Europalette began jedoch früher:

1. Jahrtausend v. Chr. - Kufenpaletten in Ägypten & Mesopotamien

Im alten Ägypten kamen bereits die ersten Vorläufer der heutigen Europalette zum Einsatz. Die damals schon aus Holz gefertigten Schlitten oder auch Kufenpaletten wurden für den Transport von Baumaterialien benutzt - tonnenschwere Steinblöcke verfrachteten sie vom Abtragungsort zur Baustelle.

1920 - Die Erfindung des Gabelstaplers in den USA

Ein großer Sprung in der Geschichte: Mit der Erfindung des Gabelstaplers 1920, durch den amerikanischen Hersteller Clark Equipment Company, folgte zwangsläufig die Auseinandersetzung mit platzsparenden und systematischen Ladeeinheiten - auch mit der Palette. Diese bestanden damals noch aus verbundenen, stählernen Gleitkufen.

1939 - Erstes Patent einer Holzpalette in den USA

1939 erfolgte die erste Anmeldung eines Patents für eine Holzpalette in den USA. Zudem wurden die damals noch stählernen Paletten bevorzugt als Transportmittel in der amerikanischen Kriegswirtschaft für Munition und anderes Geschützzubehör in den 40er Jahren verwendet.

1949 - Patent einer 4-Wege-Palette in den USA

Im Jahr 1949 wird das Prinzip der modernen 4-Wege-Palette patentiert. Zuvor waren nur 2-Wege-Paletten bekannt.

1950er - Ineffizienz im europäischen Warenverkehr

Innerhalb Europas bestehen unterschiedliche Palettenabmessungen für den internationalen Eisenbahnverkehr.

1.7.1961 - Die Geburtsstunde der Palette

Europäische Eisenbahnbetreiber standen im Wettbewerb mit dem Gütertransport auf der Straße und benötigten universelle Ladungsträger, die den Warenhandel vereinfachten und beschleunigten - tauschbare Europaletten sollten Abhilfe schaffen. Am 1.7.1961 wurde die Europalette schließlich genormt: 1200 x 800 x 144 mm - verbunden durch 78 Spezialnägel.Im Laufe der Zeit kamen andere genormte Paletten hinzu, die auf verschiedene Transportbedürfnisse abgestimmt waren. Unabhängig welches Modell der Palette benutzt wurde: Die Beladung von Gefährten, ob Zug oder Lastwagen, ging deutlich schneller.

Geschichte der Europalette

1966 - Gebrauchsmusterschrift der Europalette

Am 31.03.1966 genehmigt das Deutsche Patentamt Julius Hofer ein Gebrauchsmuster (Nummer DE1935973) zur Steigerung der Lebensdauer von hölzernen Europaletten durch Armierung einzelner Bestandteile durch Kunststoff.

1975 - Rechteübertragung Bundesbahn an GPAL

Die Deutsche Bundesbahn überträgt 1975 ihre Markenrechte der Zeichen EPAL, ovales O und RAL-RG 993 (jetzt RAL-GZ 993) an die "Gütegemeinschaft Paletten", dem Vorgänger des heutigen Europäischen Dachverband des EPAL.

1980er - Siegeszug der Europalette

Der Haupteinsatzort der Palette verschiebt sich vom Zug- und Schiffsverkehr auf den Straßenverkehr. Sie wird zur populärsten Palette der Welt. Aufgrund ihrer Praktikabilität, ihrer genormten Größen und ihrer Beschaffenheit erfreut sie sich größter Beliebtheit.

1991 - Gründung von EPAL

Die European Pallet Association (EPAL) wird 1991 gegründet. Ihr Zweck: die Organisation und Kontrolle des EPAL-Europalettenpools. Ihr Fokus liegt auf dem Ausbau und der Sicherung des Poolingsystems für Ladungsträger. Sie vergibt Lizenzen an Produzente und Reparateure und sichert damit weltweit eine gleichbleibend hohe Qualität von EPAL-Paletten.

2004 - Die Europalette erhält DIN EN 13698-1

Festgelegt werden in DIN EN 13698 Anforderungen und Spezifikationsanweisungen für die Nennlast und Tragfähigkeit, die Bauweise und die Prüfung der Paletten und deren Kennzeichnung. 2004 wird die Normung der Europaletten mit DIN EN 13698-1 aktualisiert, die von Marken wie EPAL & EUR genutzt wird. Dadurch sind die Paletten nicht nur in der Flurförderung einsetzbar, sondern auch in den modernen Hochregallagersystemen.

ab 2010 - Palettenmöbel

Der Trend zu DIY - do it yourself - boomt 2010. Auch die Europalette wird davon erfasst. Egal ob Couch, Bett oder Regal, sie wird zum schicken Möbelstück umfunktioniert und findet in vielen Wohn-, Schlaf- oder Esszimmern ein neues Zuhause.2016 - Premiere: Produktion von 100 Millionen EPAL-Paletten pro Jahr2016 wird die Marke erstmals geknackt: Jährlich werden 100 Millionen Holzpaletten produziert. Geschätzt wird, dass aktuell über eine halbe Milliarde davon im Umlauf sind.

1.7.2020 - Die Europalette wird 59!

59 Jahre sind vergangen, in denen die Palette erfunden, standardisiert und massenhaft produziert, verkauft und transportiert wurde. Unterschiedlichste Varianten sind entstanden, Prozesse wurden beschleunigt und ein Ende ist nicht in Sicht. Das Geschäft um die heiß begehrten Paletten boomt und wird es auch weiterhin.

Kennzeichen

Jede Europalette im Europäischer Palettenpool (EPP) trägt mehrere Kennzeichnungen, die vorhanden sein müssen. Die Markierung erfolgt per Brandstempelung.

  1. Alle vier Eckklötze: EPAL, oval umrandet (bis 2013 links EPAL und rechts EUR, jeweils oval umrandet)
  2. Mittlerer Klotz:
    • umrandetes Logo der Mitgliedsbahn (z. B. DB für Deutsche Bahn); bei neuen EPAL-Paletten: IPPC-/ISPM 15-Einbrand
    • Mit den Bestandteilen: IPPC-Logo (linke Spalte), Land/Region/Bezirk + IPPC-Zulassungsnummer des Produzenten + Buchstaben "HT" (Heat Treatment (rechte Spalte)
    • EPAL-Prüfklammer (unter dem DE)
    • ggf. Reparaturnagel (bei bereits reparierter Europalette)
    • Ziffernfolge für Herstellernummer, -jahr und -monat
    • EPAL-Kennziffern:
      • IPPC (Integrated Pollution Prevention and Control)-Kennzeichnung für schädlingsfreies Holz (unerlässlich bei Exporten)
      • ISPM 15: Internationaler Standard für Pflanzengesundheitliche Maßnahmen für Holzverpackungen im internationalen Warenverkehr
  3. Nägel:
    • gleichbleibendes Nagelbild
    • Nagelkopf-Kennzeichnung: zwei Buchstaben für den Hersteller – z.B. AA

Europalettentausch

Durch die einheitlichen Maße und die Verarbeitungsstandards sind Europaletten einfach austauschbar. Gemäß EPAL ist eine Europalette tauschfähig, wenn sie alle erforderlichen Kennzeichen trägt, aus einem lizenzierten Herstellungsbetrieb stammt und in gutem Zustand ist.

Nicht tauschfähige Europalette

Nicht tauschfähig sind EPAL-Paletten, an denen folgende Mängel vorliegen:

  • fehlendes Brett
  • Beschädigungen mit sichtbaren Nagelschäften
  • stark abgesplitterte Randbretter
  • fehlender Klotz
  • beschädigter Klotz mit sichtbaren Nagelschäften (durch Absplitterungen oder stark verdrehte Klötze)
  • morscher oder verschmutzter Allgemeinzustand
  • schräge oder gebrochene Bretter
  • unzulässige Bauteile oder Bretter
  • Klötze mit falschen Abmessungen
  • nicht zugelassenes Material
  • fehlende Kennzeichnungen (EPAL im Oval, Prüfklammer)

Eine Europalette darf nur in einem zertifizierten Betrieb entsprechend der EPAL-Regeln repariert werden.

Tauschvereinbarung

Auf den Palettentausch besteht kein Rechtsanspruch. Ohne einen entsprechenden Vertrag gelten auch mehrfach verwendbare Paletten als Teil der Verpackung und gehen in den Besitz des Empfängers über. Sie werden innerhalb eines definierten Pools gegen Paletten aus dem gleichen Pool getauscht. Die am weitesten verbreiteten Palettentauschsysteme werden von der EPAL und von CHEP betrieben. Dabei legen die Vertragspartner fest, für die erhaltenen Europaletten Paletten gleicher Art, Qualität und Güte zurückzugewähren.

Tauschklausel

Dabei kommen bevorzugt zwei Klauseln zum Einsatz:

  • Kölner Modell: Tausch Zug um Zug direkt an der Entladestelle, beliebt im Direktverkehr
  • Bonner Modell: Verlader stellt Europaletten zur Verfügung, beliebt im Sammelgutverkehr

Palettenentsorgung

Eine nicht mehr tauschfähige Europalette lässt sich an Palettenaufkäufer abgeben oder als Kaminholz nutzen.